Erinnern – ein Projekt der 4b

Mit diesem Projekt möchten wir, die Schülerinnen und Schüler der 4b im Schuljahr 2018/19, die Aufmerksamkeit auf die Geschichte des „Spezialkinderheims“ richten, das am Campus des Sacré Coeur Pressbaum während der Zeit des Nationalsozialismus bestand. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Bedienstete des Campus, Eltern von Kindergartenkindern, Politikerinnen und Politiker sowie Bewohnerinnen und Bewohner der Region – sie alle sollen über die Geschichte des Hauses erfahren. Und viel mehr noch: Sie sollen über das Menschenbild im Nationalsozialismus erfahren, der das Leben mancher Kinder als „lebensunwert“ definiert hat.
Warum ist uns dieses Projekt wichtig? Weil wir nicht möchten, dass die Geschichte des „Spezialkinderheims“ in Vergessenheit gerät. Weil wir möchten, dass die Kinder, die hier untergebracht waren, nicht vergessen werden. Weil uns die Geschichte der Kinder berührt hat. Weil es uns als angehende Kindergartenpädagoginnen und Kindergartenpädagogen betrifft, wie sich das „Bild vom Kind“ in der Geschichte entwickelt hat. Weil Hinschauen besser ist als Wegschauen.
Unser Projekt soll nicht das Ende der Gedenkarbeit am Campus Sacré Coeur Pressbaum sein, es muss vielmehr der Beginn sein, sich diesem Thema auf unterschiedliche Art und Weise zu nähern. Wir hoffen, dass die oben Angesprochenen unsere Ideen in Zukunft weiterführen und das Gedenken weiter vertiefen.
Schüler/innen der 4b

„Es wird Zeit, schau nicht weg! Man vergisst nicht, man verdrängt.“

Workshop mit Christian Gmeiner (Bildender Künstler und Kunstvermittler)

Nach der sehr lehrreichen ersten Information und Diskussion über das „Spezialkinderheim“ Pressbaum, das in der Zeit des Nationalsozialismus, genauer zwischen 1939 und 1941, bestand, überlegte sich die 4b gemeinsam mit dem Künstler Mag. Christian Gmeiner Möglichkeiten, ein Erinnern oder Gedenken zu gestalten. Im Rahmen eines Projekttags am 28. Jänner 2019 führte der Kunstvermittler zunächst theoretisch in das Thema Gedenkkultur und Denkmalarchitektur ein und erläuterte verschiedene Zugänge und Möglichkeiten anhand von Projekten, die er bereits umgesetzt hatte (z.B. „Zeichensetzung“, „Mobiles Erinnern“ oder „Mauthausen revisited“). Daraus entwickelte sich ein gemeinsames Sammeln und Besprechen von Ideen, welche Gestalt unser Erinnern an das „Spezialkinderheim“ annehmen könnte.

Bericht: Schüler/innen der 4b
Fotos: Christian Gmeiner

 

Diskussion mit Barbara Petrasch (Verfasserin der Diplomarbeit über das „Spezialkinderheim“ Pressbaum) und Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner (Bürgermeister von Pressbaum)

Am 8. Jänner 2019 besuchten Barbara Petrasch, die sich in ihrer Diplomarbeit der Geschichte des „Spezialkinderheims“ Pressbaum in der Zeit des Nationalsozialismus widmete, und der Bürgermeister von Pressbaum, Josef Schmidl-Haberleitner, die 4b, um über den derzeitigen Wissensstand zu diesem Thema zu sprechen. Die Schüler/innen hatten sich im Fach Heil- und Sonderpädagogik der Frage nach „lebensunwertem“ Leben genähert und diskutierten ihre Fragen mit Frau Petrasch und Herrn Bürgermeister Schmidl-Haberleitner. Frau Petrasch konnte durch ihr fachliches Hintergrundwissen viele Fragen der Schüler/innen beantworten, zeigte aber gleichzeitig auch die Forschungslücken auf, die es im Bereich der NS-Medizinverbrechen gibt. Herr Bürgermeister Schmidl-Haberleitner konnte den Schüler/inne/n einen Überblick über die Geschichte Pressbaums im Nationalsozialismus geben und verwies auch darauf, dass das Archiv der Stadtgemeinde gerade von einer Historikerin geordnet wird, was weitere Forschungen begünstigt. Beide bestärkten die Schüler/innen, sich ihrem Projekt weiter mit jenem Interesse zu widmen, das im Rahmen dieses Nachmittags mehr als deutlich sichtbar wurde.

Bericht: Schüler/innen der 4b
Fotos: Claudia Baldia

Hier kann die vollständige Diplomarbeit von Barbara Petrasch mit dem Titel „Sozialpädagogische Maßnahmen im Nationalsozialismus am Beispiel des Kinderheims Pressbaum. Zum Einfluss der NS-Geschichte auf die heutige Soziale Arbeit“ (FH Campus Wien, Diplomstudiengang Sozialarbeit, 2009) heruntergeladen werden:

 

 

 

 

 

Wir danken Frau Petrasch herzlich für die Erlaubnis, dieses Werk zum Download bereitstellen zu dürfen!