Das Göttliche in der 3A

Die Epoche der Klassik ist mit ihren philosophischen Konzepten zum humanen Menschenbild und den daraus folgenden Konsequenzen für die Literatur nicht ganz einfach zu vermitteln – und zu verstehen. Trotzdem hat sich die 3A daran versucht und sich nach einer gründlichen Analyse und Interpretation des Gedichtes daran gemacht, ihre Erkenntnisse in kreativer Form darzustellen.

Die Aufgabe bestand darin, eine Collage anzufertigen. Dabei sollte in der Mitte des Blattes die Hymne von Goethe stehen, links davon Bilder, Worte und Zeichnungen, die Menschen zeigen, die dem klassischen Menschenbild widersprechen und rechts davon solche, die als „edle Menschen, hilfreich und gut“ bezeichnet werden können.

Dazu nun hier zunächst der Ausgangstext und dann einige besonders gelungene Beispiele der SchülerInnen. Deutsch in Corona-Zeiten? Geht doch!

Johann Wolfgang von Goethe: Das Göttliche
Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.

Heil den unbekannten
Höheren Wesen,
Die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch
Sein Beispiel lehr uns
Jene glauben.

Denn unfühlend
Ist die Natur:
Es leuchtet die Sonne
Über Bös‘ und Gute,
Und dem Verbrecher
Glänzen, wie dem Besten,
Der Mond und die Sterne.

Wind und Ströme,
Donner und Hagel
Rauschen ihren Weg
Und ergreifen,
Vorüber eilend,
Einen um den andern.

Auch so das Glück
Tappt unter die Menge,
Fasst bald des Knaben
Lockige Unschuld,
Bald auch den kahlen
Schuldigen Scheitel.

Nach ewigen, ehrnen,
Großen Gesetzen
Müssen wir alle
Unseres Daseins
Kreise vollenden.

Nur allein der Mensch
Vermag das Unmögliche:
Er unterscheidet, wählet und richtet;
Er kann dem Augenblick
Dauer verleihen.

Er allein darf
Den Guten lohnen,
Den Bösen strafen,
Heilen und retten,
Alles Irrende, Schweifende
Nützlich verbinden.

Und wir verehren
Die Unsterblichen,
Als wären sie Menschen,
Täten im Großen,
Was der Beste im Kleinen
Tut oder möchte.

Der edle Mensch
Sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff‘ er
Das Nützliche, Rechte,
Sei uns ein Vorbild
Jener geahneten Wesen!

 

Bericht: Alexandra Loibl